Presse - Ökologisch sanieren

Ökologisch sanieren

Die thermische Gebäudesanierung spielt im Hinblick auf die Energieeinsparung und folglich auch bei der Bekämpfung des Klimawandels eine zentrale Rolle. So ist gerade der vermehrte Einsatz ökologischer und nachwachsender Materialien wie z.B. Holz, aus umweltbewusster Sicht ein wichtiger Schritt.

„Im Spannungsfeld zwischen leistbarem Wohnen und dem Einsatz neuer, meist teurerer Materialien und Technologien, kommt der Wohnbauforschung große Bedeutung zu. Diese wird daher vom Land Tirol finanziell unterstützt.Es ist erfreulich, dass quasi vor Ort herzeigbare Forschungsergebnisse erzielt werden. Das entwickelte Fassadensystem, das nunmehr ohne gebäudebezogenes brandschutztechnisches Gutachten eingesetzt werden kann, soll am Markt verstärkt zum Einsatz kommen. Damit kann es gelingen, zukünftig eine kostengünstige und ökologische Variante zu bestehenden Produkten zur Verfügung zu stellen“, freut sich Wohnbaulandesrat Mag. Johannes Tratter über die nun vorliegende und in der Praxis bereits erprobte Alternative.

Der Arbeitsbereich (AB) Holzbau an der Universität Innsbruck hat sich als Forschungsziel gesetzt, neue Technologien und Systeme zu entwickeln, um die ökologische und thermische Sanierung mittels integrierter und vorgefertigter Fassadensysteme in Holzbauweise für die Praxis noch interessanter zu gestalten. Die Fassadenelemente mit integrierter Dämmung, Fenstern, Haustechnik, solaren Modulen u.v.m. werden im Werk vorgefertigt und innerhalb von nur wenigen Tagen ohne Gerüst mit einem speziell dafür entwickelten Verbindungssystem an das Bestandsgebäude montiert. Durch die Vorfertigung des Systems kann höchste Präzision gewährleistet werden. Diese Sanierungsvariante bietet sich besonders für mehrgeschossige Bestandsgebäude (Wohnbauten, Schulen, etc.) an, welche eine regelmäßige und sich wiederholende Geometrie aufweisen und bei denen eine kurze Sanierungsdauer (Schulferien, Nebensaison im Tourismus etc.) gewünscht bzw. von Nöten ist.

Für diesen Zweck wurden am AB Holzbau neue konstruktive Details entwickelt: Ein Fugendetail, welches es erlaubt die holistisch, inklusive Putz, vorgefertigten Elemente ohne zusätzlichen Aufwand auf der Baustelle wie im Baukastensystem zusammenzusetzen und einen speziell für diesen Einsatz entwickelten E.T. – Fassadensystemverbinder, welcher die schnelle und unkomplizierte Montage ermöglicht. Der Verbinder ist in der Lage, sowohl Vertikal- als auch Horizontallasten an die Unterkonstruktion zu übertragen und Toleranzen in alle drei Richtungen auszugleichen.

Das Brandverhalten des Fassadensystems wurde untersucht und als Gesamtsystem in B-d0 klassifiziert. Durch einen Großbrandversuch konnten zudem die geforderten Schutzziele nach OIB Richtlinie 2 bestätigt werden. „Somit ist es nun möglich, Objekte der Gebäudeklasse 4 und 5 mit mehr als sechs Vollgeschossen bis zu einem Fluchtniveau von 22 m mit diesem ökologischen und vorgefertigten Fassadensystem zu sanieren“, sieht Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol, Dir. Hannes Gschwentner, neue Chancen.

Bilder:

Bild 1: (©proHolz Tirol): (v.l.) proHolz Tirol GF Di Rüdiger Lex und Vorstandsvorsitzender Karl Schafferer, Prok. Ing. Engelbert Spiß von der Neuen Heimat Tirol, Landesrat Mag. Johannes Tratter und assoz. Prof. D Dr. Anton Kraler präsentieren das neu entwickelte Fassadenelement der Presse.

Bild 2: (©Universität Innsbruck): Das vorgefertigte Fassadenelement wird montiert.

Bild 3: (©Universität Innsbruck): Fugendetail im Querschnitt

In Abstimmung mit dem Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung (IBS) wurde der Aufbau des Fassadensystems so gewählt, dass möglichst variable Dämmstärken und Bauprodukte verschiedenster Hersteller verwendet werden können. Diese Zertifizierung ermöglicht einen sehr breiten, nicht von einzelnen Produkten abhängigen Einsatz der vorgefertigten Fassadenelemente. „Die Praxistauglichkeit des vorgefertigten Fassadensystems inklusive E.T. -Fassadensystemverbinder konnte bereits in der Praxis nachgewiesen werden“, verkündet Assoz. Prof. DI Dr. techn. Anton Kraler vom AB Holzbau an der Universität Innsbruck zu Recht mit Stolz.
Die Untersuchungen zum Brandschutz wurden vom Land Tirol, der Neuen Heimat Tirol und proHolz Tirol finanziell unterstützt. „Der Einsatz dieses geprüften und klassifizierten Fassadensystems ist somit über die Grenzen Tirols hinaus möglich und wird für eine ökologische Fassadensanierung von großem Nutzen sein,“ so proHolz Tirol-Vorsitzender Karl Schafferer.

Projektkontakt:

Arbeitsbereich Holzbau, Universität Innsbruck
assoz. Prof. DI Dr. Anton Kraler
DI Clemens Le-Levé
DI Thomas Badergruber

Der Endbericht ist auf der Homepage der Universität Innsbruck / AB Holzbau zum Download bereitgestellt.